GUT EINGEDECKT ODER ÜBERTRIEBEN VERHÄTSCHELT?

In der Reiterwelt ist dies wohl immer noch ein äußerst umstrittenes Thema. Nahezu alle Pferdebesitzer stehen jedes Jahr wieder vor der selben Frage ob sie ihren Liebling eindecken sollen oder nicht. Tut man seinem Pferd damit etwas Gutes oder verhätschelt man es zu sehr damit? Pferdebesitzer können zwischen Hunderten von Deckenarten und Marken wählen. Jeder bevorzugt eine andere. Fliegendecken, Ausreitdecken, Stalldecken, Regendecken, Fleecedecken, Abschwitzdecken, Winterdecken, Paddockdecken, atmungsaktiv, imprägniert, mit Fleece, aus ballistischem Nylon, reißfest, mit oder ohne Falten, farbig, kurz oder lang…… Die Auswahl ist riesig und teils unüberschaubar. Die Frage, ob Eindecken sinnvoll ist oder nicht, bleibt aber immer noch offen und jedem Besitzer selbst überlassen.

Für die Befürworter von Decken ist das Hauptargument wohl das dichte Fell der nicht eingedeckten Pferde im Winter. Ohne Decken entwickeln unsere Lieblinge  einen dichteren Fellwuchs, da es die Natur so vorgegeben hat. Bei uns stehen die Pferde auch im Winter draußen! Natürlich dauert es für den Reiter länger, ein nasses Pferd vor dem Reiten zu trocknen. Pferde mit dichtem und langen Fell schwitzen bei anstrengender Arbeit stärker und trocknen hinterher langsamer ab. Manche greifen im Winter zur Decke, weil sich Pferde bei nasskaltem Schmuddelwetter verspannen können. Natürlich sind eingedeckte Pferde meist trocken und sauber. Langes Putzen entfällt – eine Zeitersparnis gerade für berufstätige Reiter.

Auch Decken-Gegner haben schlagkräftige Argumente, schließlich gibt es in der Natur auch keine Pferdedecken und nach ihrer Meinung benötigen gesunde Pferde keine Decken. Manche empfinden das Eindecken als Verweichlichung und befürchten, dass sich Pferde beim Wälzen oder Toben in den Gurten verheddern und dadurch verletzen könnten. Bei vernünftigen Stallungen sind Decken oft überflüssig. Pferde, die jeden Tag und bei jedem Wetter auf Weide oder Paddock stehen, haben kaum Atemwegserkrankungen, denn sie entwickeln einen gut trainierten Thermoregulationsmechanismus.

Welchen Zweck haben aber die Decken nun wirklich?

Es wäre ja so, dass alle Welt ohne vernünftigen Grund Decken benutzt.

Unstrittig ist, dass Pferde über einen ausgeklügelten Mechanismus zur Wärmeregulation verfügen und Temperaturschwankungen von bis zu 40 Grad problemlos verkraften. Die Komforttemperatur für Pferde liegt zwischen minus 15 und plus 25 Grad. Erst bei minus zehn Grad beginnen Pferde mit normalem Winterfell, über einen vermehrten Stoffwechsel für mehr Körperwärme zu sorgen. Pferde, die artgerecht gehalten werden und deren Thermoregulationsmechanismus funktioniert, erkälten sich auch dann nicht, wenn sie in Zugluft stehen oder nass sind. Ausgenommen hiervon sind Pferde, die alt, krank oder gegenüber nasskalten Witterungen besonders empfindlich sind.

Viele glauben, wenn Sie Ihr Pferd bald genug eindecken, bleibt ihnen das lästige Winterfell erspart. Das ist aber leider ein Trugschluss, denn das Winterfell kommt so oder so, nur eventuell nicht ganz so stark. Durch das verändernde Tageslicht und die Temperaturveränderung, bekommen Pferde im Winter ein dichteres Fell. Zweimal im Jahr wechseln sie ihr Fellkleid. Einmal im Frühjahr und einmal im Herbst. Das geschieht automatisch, sobald die Tage länger bzw. kürzer werden. So sind die Tiere immer für die Temperaturen der kommenden Jahreszeit angemessen gerüstet. Das Winterfell kann eine andere Färbung aufweisen als das Sommerfell und ist dichter und länger. Es soll ja auch vor den kalten Temperaturen schützen.

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Bei Sportpferden, die auch im Winter intensiv gearbeitet werden, verhindert frühzeitiges Eindecken, dass die Pferde ein zu dichtes Winterfell bekommen und zu stark schwitzen. Für viele Reiter gehört Scheren und Eindecken im Winter zusammen. Geschorenen Pferden fehlt die isolierende Luftschicht, weswegen sie schneller frieren und sich auch leichter erkälten können. Hier schützt eine Decke dann vor Kälte.

Pferdebesitzer sollten ihre Tiere gut beobachten und individuell entscheiden, ob ein Eindecken sinnvoll ist oder nicht. Eindecken ist auch abhängig von Haltungsform, Rasse, Witterungsverhältnissen und dem Gebrauch des Pferdes. Ob das eigene Pferd nun im Winter eingedeckt wird oder nicht, muss jeder Pferdebesitzer also individuell für sich selber entscheiden. Den Vierbeiner genau zu beobachten und die eigenen Beweggründe für oder gegen das Eindecken selbstkritisch zu hinterfragen, sind Voraussetzungen für eine Entscheidung, bei der das Wohl des jeweiligen Pferdes immer im Vordergrund steht.

Auch wir sind keine Experten und können nur aus eigener Erfahrung berichten!