Working Equitation, Arbeitsreitweise

Stuntman und Showreiter, deutscher Meister in der Master Class, Weltmeister im Speedtrail – das sind nur einige Stationen der beeindruckenden Erfolgsstory des in Rumänien geborenen Berufsreiters und Pferdetrainers Mihai Maldea.

Schon als kleiner Junge war Mihai mit seinem Großvater, einem Pferdehändler, auf dem Pferdemarkt und lernte das Reiten. Bereits mit neun Jahren gehörte er der erfolgreichen Reitertruppe bei Studio Film Bukarest an und wurde dort mit 17 jüngster Stuntman. 2000 zog es ihn in die Westernstadt Pullmann City. Dort überzeugte er als unerschrockener Show- und Stuntreiter in spektakulären Western- und Feuershows. Mihai zeigte beeindruckende Freiheitsdressuren und brachte seinen erstaunten Zuschauern die in Deutschland bis dahin noch ziemlich unbekannte Arbeitsweise mit der Garrocha näher. Seine große Leidenschaft zur Working Equitation wurde durch das erste deutsche Turnier in Pullmann City entfacht. Die Liebe zur alten spanischen Arbeitsweise und der Arbeit mit der Garrocha hat er bis heute nicht verloren.

Seine große Leidenschaft zur Working Equitation wurde durch das erste deutsche Turnier in Pullmann City entfacht. Die Liebe zur alten spanischen Arbeitsweise und der Arbeit mit der Garrocha hat er bis heute nicht verloren.

„Working Equitation“ heißt übersetzt Arbeitsreitweise und ist eine noch relativ junge Turniersportart. Sie fasst die alten europäischen Arbeitsreitweisen zusammen, welche sich in Südeuropa aus der berittenen Arbeit mit Rindern entwickelt hatten. Dort ist ein Pferd seit Jahrhunderten das beste Mittel, Tiere in unwegsamem Gelände zu hüten oder zu treiben. Aus der harten Arbeit der Cowboys in Amerika entwickelte sich das heute weltweit populäre Westernreiten.

Working Equitation besteht aus den 4 Disziplinen Dressur-, Speed- und Stiltrail, sowie der Rinderarbeit.

Im Fokus steht dabei immer eine ruhige, gelassene Reitweise mit sauber gerittenen Übergängen, die Reinheit der Gänge gepaart mit Losgelassenheit, Schwung und Dynamik.

Wie bei allen anderen Reitweisen wird auch in der Working Equitation die Hilfengebung über Impulse vermittelt. Schließlich ist bei der Rinderarbeit in freier Natur jeder Tag anders, das Gelände oft schwierig und unübersichtlich. Dann kann der Reiter nicht jeden Schritt des Pferdes kontrollieren, sondern brauchte dessen Aufmerksamkeit und Sensibilität, eigenständig auf sich zu achten und die Hilfen schnell umzusetzen. Der Reitstil eines Vaqueros (spanischer Hirte) muss ebenso forsch, schnell und wendig sein, wie die Rinder, die er treibt. Deshalb nutzt er den ausgeprägten Gleichgewichtssinn seines Pferdes, sitzt intuitiv in der Balance und dirigiert sein Pferd nur durch leichte Veränderungen des Gleichgewichtes. Daraus entsteht die spontane, wendige und zügelunabhängige Reiterei, die in der Working Equitation angestrebt wird. Nur so können Pferd und Reiter als wirkliche Einheit agieren, damit die tägliche Arbeit mit den Stieren nicht lebensgefährlich wird.

Auch die Arbeit mit der Garrocha stellte früher einen weiteren wichtigen Teil der spanischen Reitweise dar. Ursprünglich trieben die Hirten ihre Herden mit Hilfe der „Garrocha“, einer 5-7 cm dicken, ca. 3,5 m langen und 2,7 Kg schweren Holzstange zusammen. Heute wird die Stange als Hilfselement für Pirouetten, schnelle Hinterhandwendungen, Traversalen, Sprints, Stopps und mehr genutzt. Das Training wirkt für Außenstehende wie ein Tanz, verlangt von Pferd und Reiter aber viel Wendigkeit, Schnelligkeit und Ausdauer. Eine zusätzliche Herausforderung ist der Ritt in rasantem Tempo, einhändig mit der linken Hand und zusätzlich mit der schweren „Garrocha“ in der rechten Hand. Natürlich ist es bei dieser Reitweise absolut notwendig, das Pferd ausschließlich über Gewichts- und Schenkelhilfen zu lenken.

Genauso wenig wie Hirten früher, so braucht auch ein heutiger „Worker“ kein „Roboter-Pferd“, welches nur sein stur erlerntes Programm abspult. Ziel der Working Equitation ist ein vielseitiges, motiviertes und mitdenkendes Pferd, das vertrauensvoll, aber auch selbstbewusst und nervenstark die gestellten Aufgaben meistert. Jedes Pferd, egal welche Rasse, wie alt oder wie groß, ist für diese Reitweise geeignet, denn Charakter und Leistungsbereitschaft sind die ausschlaggebenden Merkmale eines geeigneten Pferdes. Pferd und Reiter sind bei dieser Reitweise wohl wirklich keine einfachen „Bauernhof-Freizeitreiter“, sondern ein höchst geschultes und bestens aufeinander eingespieltes Paar.

So let`s go working!