Dos and don`ts

Außergewöhnliche Ereignisse erfordern außergewöhnliche Maßnahmen

In Zeiten des Coronavirus mit Ausgangssperren und Ansteckungsgefahr, machen wir uns natürlich auch Gedanken um das Wohl unserer Pferde. Laut neuesten wissenschaftlichen Aussagen gibt es bisher keine Hinweise darauf, dass Pferde oder auch Haustiere wie Katzen und Hunde infiziert wurden oder das Virus verbreiten können – das wäre doch schon mal ein kleiner Lichtblick! Leider fehlen hierzu noch die nötigen Untersuchungen.
Natürlich müssen wir auch im Stall auf Pferde, uns und unsere Mitmenschen aufpassen und entsprechende Vorsichtsmaßnahmen treffen.

Die Bundesregierung hat am 16. März die Schließung aller Sportanlagen angeordnet. Damit müssen auch Reitunterricht, Schulbetrieb und Zusammenkünfte aller Art in allen Pferdesportanlagen eingestellt und Reiterferien abgesagt werden. Ein zeitliches Ende wurde diesbezüglich nicht bekannt gegeben. Die Betreiber der Pferdesportanlagen sind hier in der Verantwortung und müssen für die Einhaltung der behördlichen Anordnungen haften. Reitunterricht in Privatanlagen ist mit dem jeweiligen Stallbetreiber abzuklären. Im Hinblick auf die momentane Lage, ist davon aber abzuraten (bei einer Ausgangssperre ist auch privater Unterricht verboten).

Laut aktuellem Beschluss der Bundesregierung vom 22.03.2020, ist der Aufenthalt im öffentlichen Raum ist nur alleine, mit einer weiteren nicht im Haushalt lebenden Person oder im Kreis der Angehörigen des eigenen Hausstands gestattet.

ABER: Das Deutsche Tierschutzgesetz schreibt vor, dass jedes Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernährt, gepflegt und verhaltensgerecht untergebracht werden muss. Zudem darf die Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so eingeschränkt werden, dass dem Tier dadurch Schmerzen, vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden.
Der Corona-Beschluss hebelt also das Tierschutzgesetz nicht aus, findet die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN): „Die Betreuung der Pferde durch die verantwortlichen Personen [ist] unter Einhaltung strenger Auflagen zulässig […]“ (nachzulesen im Corona-Aktionsplan unter www.pferd-aktuell.de/coronavirus).

Momentan sind wir wohl alle gefordert, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, um gleichzeitig die Gesundheit der Menschen und der Tiere sicherzustellen. Pferdehalter und Stallbetreiber müssen sich außerdem mit der Frage auseinandersetzen, wie das Wohlergehen ihrer Pferde sichergestellt werden kann, falls sie selbst erkranken und unter Quarantäne gestellt werden. Wer übernimmt ersatzweise die Versorgung, Fütterung und Bewegung? Wer beschafft Futtermittel und Stallbedarf? Wer verabreicht Medikamente? Wer mistet? Antworten auf diese und andere Fragen sollte jeder parat haben, um kurzfristig reagieren zu können.

Natürlich stellt die artgerechte Versorgung unserer Lieblinge in Zeiten des Coronavirus zusätzlich eine große Herausforderung dar.
Folgende Punkte müssen aber immer erfüllt sein:

  • Pferdegerechte Fütterung
  • Pflege der Boxen (Ausmisten und Einstreuen, Kontrolle der Tröge und Tränken)
  • Tägliche Tierkontrolle (Ist das Pferd gesund? Liegen Verletzungen vor?)
  • Täglich mehrstündige Bewegung aus kontrollierter (z.B. Training) und freier Bewegung (Auslauf auf dem Paddock/der Weide), da diese essentiell für das physische und psychische Wohlbefinden sowie die Gesunderhaltung der Tiere sind
  • Notwendige tierärztliche Versorgung
  • Notwendige Versorgung durch den Schmied

Stallbetreiber sollten zusätzlich folgende Punkte beachten:

  • Personen mit Krankheitssymptomen dürfen den Stall / die Reitanlage nicht betreten
  • Stallfremde Personen haben keinen Zutritt
  • Die allgemeinen Hygienemaßnahmen zum Infektionsschutz müssen eingehalten werden, Desinfektionsmittel bereitstellen, Waschgelegenheiten mit Seife und Einweghandtüchern anbieten
  • Ausschließlich die für die Versorgung und Bewegung der Pferde notwendigen Personen haben Zutritt zum Stall / zum Pferdebetrieb, bzw. nur 1-2 Personen zur gleichen Zeit
  • Anwesenheitsplan für die notwendigen Personen erstellen, die für die Versorgung und Bewegung ihrer Pferde Zutritt zum Stall und der Reitanlage benötigen
    (falls nötig, werden Anwesenheitszeiten bestimmt, um die Anzahl der Menschen, die sich zeitgleich im Stall bewegen, zu minimieren)
  • Die Vereinbarung von tierärztlichen Terminen und Schmiedbesuchen unterliegen der Koordination des Betriebsleiters

Maßnahmen für alle bei der Versorgung und Betreuung der Tiere:

  • Verzicht auf gängige Begrüßungsrituale – engen Kontakt vermeiden – Abstand halten
  • Unmittelbar nach dem Betreten der Anlage, Sanitärbereich aufzusuchen, Hände gründlich zu waschen und zu desinfizieren, bevor weitere Gegenstände wie Putzzeug, Besen, Schubkarren etc. angefasst werden.
  • Mindestabstand von 1 bis 2 Metern zu anderen Personen im Stall bei allen Tätigkeiten rund um die Betreuung der Pferde einhalten (Mindestabstand natürlich auch in Sattelkammern oder anderen Räumen des Stalls eingehalten)
  • Die Vor- und Nachbereitung der Pferde muss mit entsprechenden räumlichen Abständen der Menschen/Pferde voneinander erfolgen.
  • Die Anzahl von vier Pferden pro Bewegungsfläche (20mx40m Fläche) wird fachlich und hygienisch als vertretbar, aber als Obergrenze gesehen (immer abhängig von der Größe der Reitfläche, als Orientierung dienen pro Pferd ca. 200 Quadratmeter).
  • Abstände zwischen den Pferden z.B. beim Auf- und Absitzen sind einzuhalten
  • Aufenthaltsraum/Reiterstübchen meiden
  • Vor Verlassen des Stalls / der Reitanlage sind die Hände gründlich zu waschen und zu desinfizieren.

Weitere Fragen und Hilfen zum Beispiel auf den Seiten der FN, auf denen es auch ein Muster-Formular zur Selbsterklärung gibt, warum man zum Stall unterwegs ist.

Also bleibt gesund und passt auf Euch auf!